Ever a Moment, Kreaturen der Nacht 15.

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Fireheart
Veröffentlicht: 15.08.2023 09:42
Aktualisiert: 05.09.2023 11:16
Kategorie: Fantasy
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Kurzbeschrieb:
Der letzte Teil von Kreaturen der Nacht. Es wird jedoch noch eine vierte Episode kommen. Irgendwann.

Text

15.

S

am wollte gerade wieder umdrehen und zurück zu seinen Kameraden gehen, als er das Schluchzen hörte. Einen kurzen Moment haderte er mit sich, ob er noch schnell die Schirale informieren sollte, dann konzentrierte er sich jedoch nur noch auf das Schluchzen. Seine Magie peitschte durch das Unwetter. Dann fand er ein Lebewesen. Es war zwar im Fluss, aber … Kurz entschlossen lief er los. Als er schliesslich den Fluss erreichte, der ins Meer führte, erkannte er ein Kind, das im Wasser treib. Verzweifelt hielt es sich an einem Ast fest. Ohne zu überlegen, sprang Sam ins kalte Wasser. Die Strömung traf ihn wie ein Schlag. Einen Moment verlor er die Orientierung, dann durchbrach sein Kopf die Wasseroberfläche. Mit kräftigen Zügen schwamm er auf das Kind zu. Sam versuchte mithilfe seines Eises die Strömung abzuschwächen, was ihm nicht so wirklich gelingen wollte. Das Kind, Vampir, etwa fünf Jahre alt, wie er jetzt erkennen konnte, hörte auf zu strampeln und blickte ihn aus grossen schwarzen Augen an. Als Sam es erreichte, streckte er den Arm aus und nach einem kurzen Moment Zweifel, liess der kleine Junge den Ast los und griff nach Sams Arm. Der presste ihn fest an sich. Beide keuchten schwer. Sam schwamm unter Aufbietung letzter Kräfte ans Ufer zurück. Währenddessen liess er sein Feuer durch die Adern des Vampirs fliessen und wärmte ihn vorsichtig auf. Vampire waren Untote, daher wusste Sam nicht, wie schnell der kleine Junge zu warm hatte, da er, obwohl er untot war, zitterte vor Kälte.

Plötzlich floss die Strömung stärker. Doch Sam war bereits nah genug am Ufer. «Ich werfe dich gleich ans Ufer, ja. Wenn du festen Boden unter den Füssen hast, schaust du nicht auf mich, sondern versteckst dich unter diesen Felsen. Verstanden?» Zögerlich nickte der Junge. Sam keuchte, als das Wasser ihn herumwarf. Jetzt oder nie. Er holte aus und warf den Jungen ans Ufer. Einen Moment später schlug das Wasser über ihm zusammen und zog ihn in die Tiefe. Der kleine Junge blickte kurz hinter sich, befolgte dann jedoch seine Anweisungen.

Clare flog so schnell wie noch nie zuvor. Um sie herum krachte der Donner und Blitze zuckten. Je weiter sie gekommen war, desto schlimmer war das Gewitter geworden. Sie wusste selbst; es grenzte an ein Wunder, dass sie noch immer am Leben war. Eine weitere Sturmböe packte sie und warf sie herum. Gleich darauf explodierte ein Blitz, nur einige Meter von ihrer vorherigen Position entfernt. Es war, als würde sich ihr Element auch noch nach 400 Jahren an sie erinnern und verhindern wollen, dass sie starb.

 

Schliesslich erreichte sie die Küste. Hier ging der Wind so heftig, dass sie am Boden landete und sich in einen Schneeleoparden verwandelte. Die Nase am Boden, suchte sie nach dem Geruch ihres Geliebten.

Die Kreaturen der Nacht warteten. Chase stand am Eingang der Höhlen und blickte hinaus, als eine Vampirin auf ihn zukam. «Habt ihr meinen Sohn gesehen? Er ist fünf Jahre alt.» «Nein, tut mir leid», erwiderte er. Blutige Tränen traten ihr in die Augen. Also legte er ihr eine Hand auf die Schulter unter der Rüstung. «Vielleicht hat er sich in einer der tiefergelegenen Höhlen verirrt. Ich helfe euch suchen.» Dankbar nickend nahm sie sein Angebot an.

Immer mehr Leute kamen und halfen ihnen. Doch auch nach einer Stunde blieb der Junge verschwunden.

Es durchzuckte Clare wie einer der Blitze, die über den Himmel schossen, als sie Sams Geruch wahrnahm. Sofort nahm sie die Fährte auf und folgte ihr, getrieben von Angst. Sie rannte durch ein kleines Waldstück und hörte bereits das Rauschen des Flusses, als sie den Jungen wahrnahm. Ein Vampir, erkannte sie den dunklen Geruch. Als sie durch die Büsche brach, sah sie ihn unter den Felsen kauern. Seine Augen weiteten sich, als er sie sah. Dann bemerkte er die Krone, die auch in ihren anderen Gestalten weiterhin auf ihrem Kopf sass. Der Junge deutete auf den Fluss. «Er…Er hat…mich gerettet. Ich…kann i…ihn…nicht mehr s…sehen.» Sie hört nicht mehr auf das hilflose Gestotter, sondern sprang mit einem grossen Satz ins Wasser. Noch im Sprung verwandelte sie sich wieder und landete schliesslich in der Gestalt einer Sirene im Wasser.

Die Wucht des Aufpralls brachte sie einen Moment aus der Fassung. Dann wendete sie die Fähigkeiten der Sirene an und schwamm los. Die Farben und das Licht nahm sie überdeutlich wahr. Die kleinste Schwingung von Fischen oder ähnlichem registrierte ihr Kopf. Clare liess sich mit der Strömung mitziehen, bis sie Sam erkannte. Seine Kleidung hatte sich an mehreren Steinen verfangen. Reglos trieb er im Wasser. Clare schoss auf ihn zu, packte ihn am Arm und versuchte mit fahrigen Fingern die Kleidung vom Gestein zu lösen. Endlich schaffte sie es. Daraufhin zog sie ihn an die Wasseroberfläche und tat ihr Möglichstes seinen Kopf oben zu halten, während sie ihn mit sich an das sichere Ufer zog und das Wasser sie hin und her warf wie Spielzeug. Am Ufer liess sie Sam nieder, während sie sich zurück in ihre Menschengestalt verwandelte und mit der Herzdruckmassage begann. Sein Puls war schwach, doch noch lebte er. «Bitte!», flehte sie ihn mit brüchiger Stimme an. «Lass mich nicht allein, bleib bei mir!» Tränen liefen ihr über die Wangen. «Komm schon, Merti! Du schaffst das!» Sie legte ein Hand ans seine Wange. Ein schwacher Hauch drang über seine Lippen. Dann drehte er den Kopf und spuckte Wasser.

Das Erste, was er wahrnahm, als er wieder zu sich kam, war Clare. Ihr Duft hüllte ihn ein wie ein Umhang. «Sam!», rief sie, während sie ihn in ihren Armen hielt. Zu schwach, um etwas zu sagen erbrach er sich weiter und flüsterte ihr mental zu: Clare! Was tust du hier? «Na, was wohl? Ich rette dir den Arsch, du Lümmel!», erwiderte sie mit noch immer brüchiger Stimme. Trotz seiner Übelkeit gelang Sam ein Grinsen. Danke, dass du meinen Hintern gerettet hast, Liebste, meinte er. Daraufhin begann sie noch mehr zu weinen. Er richtete sie langsam auf, nahm sie fest in die Arme und legte ihr die Wange auf den Scheitel. «Es ist alles in Ordnung. Es geht mir gut», raunte er ihr mit heiserer Stimme zu. «Du wärst fast ertrunken!», erwiderte sie. Er erinnerte sie schaudernd an das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit zurück. Wie damals. Früher, als er sich noch durchs Leben mogeln musste. «Das bin ich aber nicht und ich habe es in Zukunft auch nicht vorgesehen.» «Das ist nicht witzig.» «Ich meine es Todernst. Lass uns noch eine Weile so sitzen bleiben, ja.» Sie schmiegte sich in seine Arme und bemerkte nicht, wie das Unwetter kaum merklich abzuflauen begann.

Während Sam die Königin weiter in den Armen hielt, kam der Vampirjunge langsam näher. Als er ihn erkannte, klopfte der Assassine mit einer Hand neben sich. Zögerlich kam er näher und setzte sich schliesslich neben ihn. Clare blickte auf und wischte sich die Tränen ab. Dann lächelte sie den Jungen an. «Danke.» Der sah sie mit grossen Augen an. «Warum, eure Majestät?», wagte er zu fragen. «Weil du mir geholfen hast ihn zu finden. Hätte ich auch nur einen kurzen Moment länger gebraucht, würde er jetzt vielleicht nicht neben uns sitzen.» Einen Augenblick lang war es still, der kleine Junge starrte nachdenklich auf den Boden. Dann stand Clare auf. «Kommt. Ich bringe uns zurück.»

Chase stand neben dem Vampirfürst. Beide beobachteten die Vampirin, die in den Armen ihres Mannes weinte. Sie war völlig verzweifelt. «Ist er wirklich unauffindbar?», flüsterte Chase ihm zu. Der Fürst nickte grimmig. «Wir haben jeden einzelnen verdammten Stein in diesen Höhlen umgedreht und kein Kind gefunden.» Er klang wütend, sein glattes Haar war zu einem Zopf geflochten, trotzdem hingen ihm einige Strähnen ins Gesicht. Eine unheilvolle Stimmung lag in der Luft. Leise hörte man die Teufelstiger ausserhalb der Höhle umherwandern. Dann trat ein Meeresteufel in die Kammer und meinte: «Ein Schiral fliegt auf uns zu.» Chase drehte sich sofort um und ging den Gang entlang nach draussen. Tatsächlich! Ein Schiral flog in ihre Richtung, noch immer weit entfernt, zwei Personen als Passagiere. Die Vampirin, die hinter ihm gemeinsam mit den anderen hervortrat, schrie auf und sank auf die Knie. «Juri!» Chase wechselte einen Blick mit Neron, der neben ihn getreten war und vor Freude zitterte. Der Vampirfürst kraulte den Tiger und meinte: «Jetzt darf ich wohl wirklich nie wieder ein schlechtes Wort über die Götter verlieren.» Ihrer aller Verdacht bestätigte sich, als der Schiral nah genug war, um die Korne auf seinem Kopf erkennen zu können.

Kaum war Clare gelandet, rannte der Junge auf seine Mutter zu. Neron begrüsste seine Ziehmutter stürmisch. Unbehaglich trat Clare von einem Fuss auf den anderen und raschelte mit ihren Flügeln, als der Vampirfürst zu ihr sagte: «Alle Vampire dieses Clans stehen tief in eurer Schuld, eure Majestät.» Sam legte ihr eine Hand auf die Federn, um sie zu beschwichtigen, bevor sie protestieren konnte. «Ich weiss, wir können es uns schwer leisten, aber ich denke einen Tag Ruhe täte uns allen gut», meinte er. Der Vampirfürst reagierte nicht, sondern betrachtete mit einem weichen Ausdruck Juri, der in den Armen seiner Mutter lag.

Chase nickte ihnen zu. «Da gebe ich dir Recht», sagte der ehemalige Captain und lächelte seine Freunde an. «Gut gemacht.»

Kommentare

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Am 05.09.2023, Fireheart
Vielen Dank für deine Rückmeldung, welcome home.

Ich werde die grammatikalischen Verbesserungen gleich umsetzen. Toll, dass es dir so gefällt, da weiss ich, dass ich mein Ziel erreicht habe.

Liebe Grüsse

Fireheart
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Am 29.08.2023, welcome home
Hoi Fireheart :)

Die Episode hat ein wundervolles Ende genommen, darüber freue ich mich sehr! Ich bin über zwei Fehler gestolpert, die ich dir nachfolgend gerne schreibe.

- die Strömung floss stärker.
- es grenzte an ein Wunder

Das war’s schon ;)

Ich finde es sehr cool, dass Clare sich in so viele Formen verwandeln kann und damit unterschiedliche Fähigkeiten nutzen kann. Ich habe bei der Rettung des Jungen und dann von Sam richtig mitgefiebert.

Vielen Dank, dass ich bei der Reise (als Leserin) mit dabei sein durfte und ich warte gespannt auf eine eventuelle Fortsetzung.

Lieber Gruss
Welcome home :)