Ever a Moment, Kreaturen der Nacht 14.

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Fireheart
Veröffentlicht: 05.08.2023 07:51
Aktualisiert: 05.08.2023 07:51
Kategorie: Fantasy
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Text

14.

A

m nächsten Abend war es so weit. Abends zuvor hatten sie alles besprochen und beplant. Durch die allgemeine Anspannung und der Aufregung, ging das fragwürdige Buch in den Gedankenstränge von Clare unter. Erinnerte sich einer ihrer Freunden daran, liessen sie keinen Mucks verlauten.

 

Vampire in Gruppen von fünf bis zehn Leuten würden in die Höhlen gehen. Draussen sollten Schirale warten und mithilfe der Teufelstiger und den Schatten, diejenigen vernichten, die zu fliehen versuchten. Die kleinen Kinder waren bereits am Morgen an die Küste gebracht worden, gemeinsam mit den Ältesten, die auf sie aufpassen sollten, sowie diejenige, die Kinder erwarteten. Besonders bei den Vampiren waren Kinder sehr selten, weshalb Schwangere und Kinder mit dem Leben aller beschützt wurden.

Chase blickte nach oben und beobachtete den Himmel. Dunkle Wolken türmten sich zusammen. «Ein Unwetter zieht auf», meinte er. Chris folgte seinem Blick. «Es dauert noch ein Weilchen. Mit etwas Glück sind wir fertig, bevor das Gewitter über uns ist.» «Was ist mit den Kindern?» «Die sollten an der Küste genug Unterschlupf finden.» Er nickte. Chris schien ziemlich optimistisch zu sein. Dann wollten sie mal hoffen, dass dieser Optimismus auch berechtigt war.

 

Wenig später ging es los. Die Teufelstiger waren auf ihren Posten, Die Schirale trugen die Vampire zu den Höhlen, ihr leuchtendes Federkleid wurde von der Magie ihrer Begleiter verdeckt. Der einzige Nachteil, der wunderschön, schillernden Federn. Clare befand sich gemeinsam mit ihren Begleitern am Boden. Chris stand bei ihnen, als die ersten Regentropfen fielen. Der Fürst beobachtete das Treiben aus einiger Entfernung. Als die Schirale die Vampire zu Boden liessen, breitete sich Spannung aus. Sam überprüfte zum wiederholten Mal den Schild, den er um Clare, Chase, Neron und sich selbst gezogen hatte. Die Vampire betraten leise die Höhlen und zogen ihre Magie hinter sich her, bis die Schirale wieder in ihrer vollen Kraft strahlten. Nun hiess es warten.

 

Sie durchforsteten alle Höhlen und Gänge. Schliesslich trat eine Vampirin ins Freie und bedeutete einem Schiral sie nach unten zu bringen. In der Ferne blitzte es. Dann krachte Donner. Ein wenig ausser Atem erreichte die Vampirin ihren Fürst. «Sir! Ihr müsst euch unbedingt mit eigenen Augen überzeugen! Die Höhlen sind verlassen. Man kann sie noch riechen, aber nirgends hat es diese Kreaturen oder ihre Trainer!» «Ich schaue mir das an. Wollt ihr mitkommen eure Majestät?», fragte der Vampirfürst mit einem Blick auf die Königin. Als Antwort verwandelte sie sich in ihren Falken.

Der Schiral trug die beiden Vampire zurück zu einem der Höhleneingänge, begleitet von einem Falken, der neben dem riesigen Vogel geradezu winzig wirkte. Als der Schiral die beiden Blutsauger absetzte, bot der Fürst einen Arm an. Elegant landete Clare darauf, während sie in die Höhlen traten. Der Geruch traf sie mit grosser Wucht. Wäre sie in Menschengestalt gewesen, das wusste Clare, hätte sie sich übergeben müssen. Der Fürst schnüffelte angeekelt. «Das riecht hier ja erbärmlich», grummelte er. Währenddessen sah die Königin sich um. Sie hörte das Trampeln von Lederstiefeln, gebrüllte Befehle und metallisches Klappern. Doch davon abgesehen: Nichts. Keine Kampfgeräusche, nichts, dass darauf hindeutete, dass sich irgendwelche Magier versteckten. «wir haben alle Nischen durchsucht und nichts gefunden.» Der Fürst nickte knapp, als Zeichen, dass er verstanden hatte. Die Rädchen in Clares Kopf drehten sich. Auf einmal kam ihr ein schrecklicher Gedanke. Rasch sprang sie vom Arm des Vampirs, verwandelte sich und fragte ihn: «Ist es möglich, dass die Soldaten Marlosh’ von unserem Vorhaben erfahren haben?» Einen Moment lang war es still. Dann brummte er: «Spielst du darauf an, dass wir einen Maulwurf haben?» Sie neigte den Kopf. «Ich beschuldige niemanden ohne Beweise! Der König kann auch anders an Informationen gekommen sein. Darüber können wir uns später Gedanken machen. Jetzt würde ich anraten, die Kinder holen zu gehen. Mitten in einer Streitmacht sind sie meiner Meinung nach Sicherer als ausser Reichweite.» Dies weckte den Fürst auf. Selbst für ihn war das Leben eines Vampirkindes wichtiger als alles andere. Die Vampirin wirbelte herum, stürzte nach draussen und brüllte Befehle, ohne auf ihren Fürst oder ihre Königin zu warten. Schirale erhoben sich und brachten alle Verbliebenen Kreaturen der Nacht an den Hang, nahe den Höhleneingänge. Das Gewitter krachte über ihnen. Als sich die Schirale versichert hatten, dass alle oben waren, machten sie sich zum Aufbruch bereit. «Ich komme mit», verkündete Clare. Sofort schloss sich eine feste Hand um ihren Arm. Chase trat ihr in den Weg. Sein kurzes Haar wirbelte um seinen Kopf. Seine caramellbraunen Augen starten unbeeindruckt in die Ihren. «Du gehst nirgendwo hin. Kat hat nicht ihr Leben gegeben, damit du deines leichtfertig aufs Spiel setzt.» Grüne Augen funkelten ihn böse an. Dann richteten sie sich auf etwas neben ihm. Sam war zu ihnen getreten. Der Rest beobachtete sie mit gebührendem Abstand. «Er hat recht», meinte Sam, «Mach dir keine Sorgen. Ich gehe mit und helfe den Schiralen. In Ordnung?» Einen Moment, wandte keiner von beiden den Blick ab. Schliesslich trat sie brummelnd einen Schritt zurück. Sam wandte sich ab und nickte den Schiralen neben ihnen zu. Einer packte ihn bei den Schultern und gemeinsam machten sich die grossen Vögel auf den Weg an die Küste. Clare blickte ihnen hinterher, bis sie im  Gewitter untergingen. Chase hatte ihr eine Hand auf die Schultern gelegt. Der Fürst stand am Rand und beobachtete sie.

 

Eine gefühlte Ewigkeit später hatten sich die meisten in Gruppen in die Höhlen gesetzt. Weit im Inneren hörte man leise die Vampire, wie sie das Höhlennetz nach Brauchbarem durchsuchten. Clare stand noch immer auf der Schwelle nach draussen und beobachtete, wie das Gewitter nur langsam an Kraft verlor. Neron sass zu ihren Füssen, als sein Körper ein Zittern durchlief und er aufsprang. Sofort blickte sich Clare um und versicherte sich, dass nirgends ein Feind lauerte. Da erschienen die Schirale am Horizont. Teufelstiger, Meeresteufel und Vampire sprangen auf, nervös und aufgeregt. Dann erreichten die Schirale sie nach ein paar Minuten. Kinder, Ältere und tragende Kreaturen lösten sich von den Schiralen und rannten zu ihren Familien. Clare registrierte sie kaum. Ihre Augen rannten hin und her. Panik breitete sich in ihr aus, als sie vor den letzten Schiral trat und ihn zur Rede stellte. «Wo ist Sam?» Die Augen des Vogels weiteten sich, er blickte hinter sich und meinte zu seiner Königin: Der Assassine meinte er komme gleich nach! Man sah die leichte Furcht in seinen Augen. Gleich darauf wurde der Schein ihrer Krone von einem Blitz abgelöst. Ein Falke sass an Clares Stelle. Chase machte einen Schritt auf sie zu, den Mund geöffnet, da war sie bereits in den Sturm hinausgeflogen. Der Schiral schüttelte den Kopf, als Neron ihn anblickte. Das Gewitter war nicht abgeflaut, sondern nur in Richtung Küste weitergezogen. Es war zu gefährlich für sie hinterherzufliegen. Auch der Vampirfürst hatte dies begriffen. Es war so mucksmäuschenstill, dass jeder hörte, wie er murmelte: «Wenn die beiden das Überleben verliere ich nie wieder ein schlechtes Wort über die Götter.»

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