Ever a Moment, Kreaturen der Nacht 5.

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Fireheart
Veröffentlicht: 13.05.2023 15:20
Aktualisiert: 25.05.2023 20:04
Kategorie: Fantasy
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Text

5.

 

Silas traute seinen Augen nicht. Er kannte die Berichte über die wilden Wölfe, Drachen und all die anderen Kreaturen. Doch gesehen hatte er sie noch nie. Er hatte es ehrlich gesagt auch nie erwartet. Jemand legte ihm eine Hand auf die Schulter. «Schön dich einmal überrascht zu sehen», meinte Dylan flüsternd. Silas schnaubte. «Witzig.» Schliesslich drehten sich ihre Retter um. Und Silas erkannte, dass zwischen den Wölfen Hunde standen. Manche mit Moosgeflechten oder Glut im Fell. Es gab Mythen über normal Tiere, die über Magie und einen überdurchschnittlichen Intellekt verfügten, doch den Berichten zufolge wurde das letzte Tier vor rund tausend Jahren gesehen. Doch hier stand ein Rudel Hunde, alle mit Magie gesegnet. Und da! Wenn er sich nicht täuschte, stand ein herrenloses Pferd zwischen den Bäumen. Ob es wohl auch über Magie verfügte? Da traten zwei Vampire vor. Nein … Das waren keine Vampire. Magier! Eine Frau und ein Mann. Tobias und der Mann gingen aufeinander zu und umarmten sich. «Ich wusste, dass du etwas ausheckst, Jake.» Der Mann, Jake, lachte tief. Dann wurde er ernst. «Rufe einen Kriegsrat ein, Tobias. Wir haben viel zu besprechen.»

Weinige Minuten später sassen die Soldaten beieinander, assen gemeinsam oder liessen sich ihre Wunden versorgen. Die Kommandanten und die Abgesandten der Hexen versammelten sich im Kriegszelt. Ein Meeresteufel, er stellte sich als Salim vor, trat nach vorne. «Unser Vorteil der Überraschung wird nicht lange anhalten. Wir sollten so schnell wie möglich aufbrechen. Nach Tarmi nehme ich an.» Seine Stimme hatte einen angenehmen ruhigen Klang und die Selbstsicherheit, die sie ausstrahlte, deutete auf einen Offizier, Kommandanten oder sogar General hin. Silas nickte. Die einzige Bestätigung, die Salim benötigte. Gemeinsam mit anderen Kommandanten und Offizieren plante er die Route. «Was ist mit den Seeleuten?», fragte der Admiral. «Der Fluss geht bis zur Ebene vor der Stadt und er ist überall breit genug, um die Schiffe sicher zu bergen», erwiderte Nor. Jake runzelte die Stirn. «Wo ankern euere Schiffe genau?» «Nahe der grossen Biegung, warum?» Der Magier wechselte einen Blick mit der Frau, Toro. «Die Sirenen warten dort auf uns.» Sirenen konnten das Wasser anders als die Meeresteufel nicht länger als 3 Stunden verlassen. Ansonsten vertrockneten sie. Aus dem Wasser gingen sie jedoch auch nur im äussersten Notfall. Maurizius riss die Augen auf. «Oh, Mist!»

Innerhalb kürzester Zeit brachte ein Drache Maurizius zu seinen Schiffen. Dort waren seine Männer bereits in Panik ausgebrochen. Die Sirenen grinsten breit und genossen das Spektakel. Da machte der blaue Drachen mit einem Brüllen auf sich aufmerksam. Die Sirenen fassten sich sofort. Die Seeleute jedoch, begannen noch lauter zu schreien. Desto näher er kam, desto weiter wichen sie zurück. Behänd sprang der Admiral ab und ging auf seien Männer zu, um sie zu beruhigen. Der Drache tauchte inzwischen im Wasser unter, planschte, kehrte sich auf den Rücken und genoss das kühle Nass. Die Sirene tuschelten miteinander. Schliesslich beruhigten sich die Menschen und Magier und wagten sich näher an das Wasser. «Ihr sorgt füreinander, ohne einander zu fressen oder töten, habt ihr verstanden?», befahl Maurizius scharf und blickte dabei zwischen seinen Männern und den Sirenen hin und her. «Geht nach Tarmi. Wir werden ebenfalls dort eintreffen und gegen die Schergen des Königs kämpfen.» eine Sirene schwamm nah an das Schiff heran und stieg bis zu den Hüften aus dem Wasser. «Eins müsst ihr Wissen, Admiral. Wir kämpfen nur so lange mit euch, bis unsere Königin wieder bei uns ist. Dann unterstehen wir einzig und allein ihrem Befehl.» Ihre Stimme war überraschend rau und tief. Maurizius nickte ihr zu.

Im Lager waren alle bereit zum Aufbruch. Sarah und Jenna fuhren mit den Verletzten in einem der Wagen mit. Es rumpelte, als sie losfuhren. Sarah lehnte sich mit dem Rücken gegen eine Wand, Jenna wechselte bei einem Bauernsohn den Verband. Er stöhnte vor Schmerz auf, tauchte jedoch zum Glück nicht aus seiner Bewusstlosigkeit auf. Er hatte eine schlimme Wunde am Bauch. Endzündete sie sich, durfte er Abschied nehmen von der Welt. Mit etwas Glück bescherten ihm die Götter einen friedvollen Tod. Als Sarah Eram das letzte Mal besucht hatte, ging es ihm bereits viel besser. In zwei Wochen durfte der Mann wieder ein Schwert in die Hand nahmen. Pünktlich etwa eine Woche vor ihrer Ankunft im Gebirge. Was den beiden Frauen mehr Gedanken machte, waren die Neuankömmlinge. Drachen kannten sie nur aus Märchen und von Clare. Jetzt bauten zwei eine Barrikade vor dem Ausgang der Schlucht, um die Gegner zurückzuwerfen. Wenn sie jedoch noch einen Schlangenkopf haben, wäre es fraglich, wie viel diese Barrikade brachte. Jenna blickte von ihrer Arbeit auf, als die Plane beiseite gehoben wurde und Jake das Innere des Wagens betrat. «Wie geht es euch?», fragte er. Jenna richtete sich auf und trat auf ihn zu. «Gut. Was hast du alles erlebt?» Der Mann lächelte. «Vieles habe ich erlebt. Allem voran fand ich Raves Schwester. Oder besser gesagt: Sie fand mich. Rave habe ich jedoch noch nicht gesehen.» «Die Frau, die dich begleitete war Toro?! Rave wird sich unbändig freuen, wenn er aufwacht. Er war dumm genug sich zu vorausgaben und liegt nun bei den Heilern, wegen einer aufgeschlitzten Seite. Er ist über Erams Krankenbett zusammengebrochen. Aber Eram geht es gut.» Jake nickte nur. Eine Weile schwiegen sie. Da erwachte einer der Verletzten. Er schrie. Noch vor Jenna oder Sarah erreichte der Magier ihn und legte ihm eine Hand auf den Arm. Er formte seine Magie, liess sie beruhigend durch den Körper des Kranken fliessen und kühlte das Fieber. Der Mann riss die Augen auf. Er keuchte. «Herr! Habt dank!» «Nicht doch. Das ist das Mindeste, was ich für einen tapferen Kämpfer wie euch tun kann», erwiderte Jake ruhig. «Werden die Truppen ihrer Majestät uns schützen?» «Ja. Auch ihnen wurde Ungerechtigkeit zugefügt.» Der Mann beruhigte sich. Mit der festen Überzeugung sicher zu sein, schlief er wieder ein. «Was meinte er?», fragte Sarah. «Habt ihr es nicht gespürt? Die Welle der Macht vor ein paar Wochen? Die Königin der Kreaturen der Nacht ist erwacht und hat ihr Amt angetreten. Mit ihr werden auch ihre Untergebenen kommen.» Sarahs Blick verschleierte sich. Eine Vision nahm sie fest in ihren Griff. «Eine kleine Truppe auf dem Weg eine Rettung zu holen. Ein gefallener Krieger, ein mächtiger Assassine, eine Königin die gleichzeitig Jung und Alt ist. Ein Wächter, der bald all sein Geschick aufbieten muss und ein Volk, dass sich auf den Weg macht zu kämpfen. Seelen, die sich finden, Wahrheiten, die ans Licht kommen. Hexen und Menschen, Magier und Vampire, Wölfe und Sirenen, Drachen und Vögel vereinen sich und kämpfen gegen die dunkle Macht!» Sarah blinzelte. Einmal. Zweimal. Dann war ihr Seherinnenblick verschwunden. Jenna blickte sie besorgt an, doch Sarah starrte nur Jake an. «Du wusstest es!», fauchte sie Der Söldner nickte gelassen. «Ja, ich wusste es.» «Wovon redet ihr?», fragte Jenna. «Jake wusste, dass Clare die Königin der Kreaturen der Nacht ist! Er wusste es die ganze Zeit», flüsterte Sarah. Stille breitet sich im Wagen aus.