Der Holzfäller

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Wolf16
Veröffentlicht: 06.11.2022 17:50
Aktualisiert: 06.11.2022 17:50
Kategorie: Abenteuer
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Der Holzfäller

Rückblickend gesehen gehörte die Idee, nach Sonnenuntergang einen mir unbekannten Wald durchqueren zu wollen, wohl zu einer meiner schlechteren.

Wenn man zu Fuss auf Reisen ist, so wie ich damals, so muss man natürlich eine gewisse Strecke täglich laufen, um irgendwohin hinzukommen, aber dennoch sollte man flexibel (und bescheiden) genug sein, um die Strecke situativ den gegebenen Umständen anzupassen. Dazu gehört auch, dass man nicht stur und um jeden Preis das Erreichen des Tagesziel erzwingen zu wollen, sondern sich bei Anbruch der Nacht bei der nächstbesten Gelegenheit ein Nachtquartier zu suchen.

Ich hingegen marschierte aus dem kleinen, niedlichen Städtchen mit dem heimelig aussehenden kleinen Hotel hinein in einen dunklen Wald, von dem ich nur wusste, dass sich mein Tagesziel auf der anderen Seite befand.

Es kam, wie es kommen musste. Meine Verbohrtheit und Uneinsichtigkeit trieben mich voran und direkt in die Irre hinein. Wusstet ihr, dass es in der Nacht dunkel ist? Wusstet ihr, dass es in der Nacht in einem Wald noch dunkler ist? Klar wusstet ihr das. Jeder weiss das. Ich wusste es auch, doch leider hatte ich nicht daran gedacht. Ich hatte wohl zu viel damit zu tun, mir auszumalen, wie ich in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne mein Tagesziel erreichen würde, so blieb natürlich keine Hirnkapazität übrig, um mich an solch nebensächliche Fakten zu erinnern.

Und so marschierte ich, als die letzten Sonnenstrahlen des Tages sanft die Dächer meines Tagesziels beleckten, nicht als grosser, strahlender Held in mein Tagesziel hinein, sondern stolperte als armer Irrer und verirrter Wanderer in der immer dichter werdenden Dunkelheit des Waldes herum und versuchte verzweifelt zu erkennen, wo der Weg durch den Wald begann und wo er endete.

Ich lief gegen Bäume, im Kreis und drehte mich einige Male wie ein wild gewordener Kreisel um die eigene Achse, bis ich die Orientierung vollends verloren hatte.

Ich tat also das Naheliegendste.

Ich geriet in Panik und rannte laut schreiend und wie wild mit den Armen rudernd in eine beliebige Richtung. Ich kam sagenhafte drei Meter weit, bevor ich über eine Baumwurzel stolperte, der Länge nach auf den Boden krachte und diverse, farbige Sterne vor meinen Augen einen wilden Tanz aufführten.

Es dauerte einige Augenblicke, bis die Sterne verblasst waren und ich wieder etwas, oder genauer gesagt nichts sehen konnte, denn inzwischen war die Sonne vollends unter gegangen und die Dunkelheit, die schon zuvor in dem Wald geherrscht hatte, war noch dichter geworden.

Als ich so auf dem Boden lag, blind und mit einem schmerzenden Kopf, fand ich heraus, dass so ein Wald bei Nacht nicht still und ruhig, sondern voller Geräusche und emsiger Betriebsamkeit war. Das war jedoch nicht so beruhigend, wie es jetzt klingt. Das Trappeln von Myriaden von Insekten, die über totes Holz und dürres Laub marschieren, das Krachen von grösseren Raubtieren, die hin und wieder auf einen dürren Ast treten, das Schuhu eines grossen Uhus, das Grunzen, Schnüffeln, Scharren von unterschiedlichstem Getier ist sogar ziemlich beängstigend, wenn man in einem dunklen Wald auf dem Boden liegt. So sorgten die Geräusche, und ein mittelgrosser Tausendfüssler, der neugierig mein linkes Nasenloch erkunden wollte, dafür, dass ich nicht allzu lange reglos liegen blieb. Nachdem ich mich aufgerappelt und den Tausendfüssler hektisch aus meiner Nase gepullt und danach in die Dunkelheit geschleudert hatte, hörte ich plötzlich ein Geräusch, das Erleichterung in mir aufkommen liess. Es war das Geräusch einer Axt, die Holz spaltet.

Es sagt einiges über meine geistige Verfassung in diesem Moment aus, dass ich erleichtert war, mitten in der Nach in einem dunklen Wald eine Axt zu hören.

Auf jeden Fall erspähte ich in der Richtung, aus der das Geräusch kam, ein schwaches Licht. Langsam, um nicht noch einmal über eine Wurzel zu stürzen und hinzufallen, näherte ich mich der Lichtquelle, die ich mit den Augen fixierte, als könnte sie verschwinden, wenn ich sie aus den Augen liesse.

Je näher ich kam, desto lauter wurde das Geräusch der Axt, das sich in regelmässigen Abständen mit einer Pause zwischen jedem Schlag, wiederholte.

Tschack. Pause. Tschack. Pause. Tschack.

Es gab keinen Zweifel, da hackte jemand Holz. Die Frage, weshalb jemand mitten in der Nach in einem dunklen Wald Holz hacken sollte, tauchte in meinem, vom Sturz noch etwas verwirrten Kopf durchaus auf, doch nur ganz weit hinten, wo sie meine Aufmerksamkeit nicht erregen konnte, hatte ich zu diesem Zeitpunkt doch wahrlich andere Probleme.

Als erstes konnte ich die Lichtquelle näher erkennen. Es war eine kleine schmiedeeiserne Laterne, die auf einem Stapel gespaltenem Holz, das jemand ordentlich aufgeschichtet hatte, stand.

Ich ging weiter und als nächstes sah ich einen zweiten, grossen Stapel Holz. Äste, Baumstümpfe, Teile von Baumstämmen, alles lag da kreuz und quer auf einem Haufen. Dann schob sich eine riesige Hand in mein Blickfeld, schmutzig und wettergegerbt, die einen dicken Ast packte. Ich ging einige Schritte weiter und spähte, nun doch etwas ängstlich, um einen Busch und sah eine riesenhafte, in einen schwarzen Kapuzenumhang gehüllte Gestalt, zu der die Hand gehörte. Sie stellte den Ast auf einen Baumstumpf vor sich, umfasste die Axt, die sie in der anderen Hand gehalten hatte mit beiden Händen, holte aus und spaltete den Ast mit einem scharfen Tschack in zwei Hälften. Die Gestalt holte nochmal aus und schlug nochmal zu, dann packte sie die vier Holzscheite, in die sie den Ast verwandelt hatte, bevor diese umkippen konnten und war sie, ohne hinzusehen, auf den Haufen mit dem gespaltenen Holz, wo sie perfekt auf dem Stapel zu liegen kam, wie man sie ordentlicher auch nicht mit Zollstock und Wasserwaage hätte platzieren können.

Ich beobachtete mit offenem Mund, wie der Riese weitere Holzstücke mit ähnlicher Präzision in perfekt gehauene Scheite verwandelte. Nie brauchte er mehr als einen Hieb um ein Stück Holz zu spalten und nie sah er nach hinten, wenn er das gespaltene Holz auf den Stapel warf.

Dann erinnerte ich mich daran, dass ich ja aus dem Wald hinaus wollte, trat hinter dem Busch hervor und sagte: «Guten Abend.»

Die Gestalt wirbelte mit einer Geschwindigkeit herum, die man ihr aufgrund ihrer Grösse gar nicht zugetraut hätte. Ich hatte sie offenbar erschreckt, denn sie hatte die Axt wie zum Schlag erhoben und hatte eine der riesigen Hände abwehrend vor sich ausgestreckt. Ihr Gesicht hingegen konnte ich nicht erkennen, denn es lag im unnatürlich dunklen Schatten ihrer Kapuze, so dass mich nur ein tiefschwarzes Oval anstarrte. Ich machte vor Angst (und weil ich aus der Reichweite der Axt kommen wollte) einen Satz rückwärts und hob meine leeren Hände in die Höhe, wie einer der armen Postkutschenfahrer, die in den alten Western von Gangstern ausgeraubt werden.

«Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie mir den Weg aus dem Wald hinaus zeigen können.», kreischte ich panisch mit einer sehr hohen Stimme, die ich auf die kalte Luft und nicht auf die panische Angst die ich damals hatte zurückführe.

Auf meine Worte hin, liess der Riese die Axt sinken und entspannte sich ein wenig. Er kratzte sich stumm am Kopf (das heisst an der Kapuze) und schien etwas ratlos.

«Kein Problem.», sagte ich schnell und war froh, dass ich mich zwar ohne Antwort, aber wenigstens mit heiler Haut davonstehlen konnte, «Wenn Sie keine Zeit haben, dann such ich alleine weiter. Irgendwie find ich schon raus.»

Doch der der Riese bedeutete mir mit einer Handbewegung stehenzubleiben, so dass ich die Bewegung zum Wenden abbrach und wie erstarrt stehenblieb, während der Riese auf mich den Eindruck machte, als ob er scharf nachdenken würde.

Dann schulterte er die Axt, packte mit der anderen Hand die Laterne und bedeutete mir mit einer Geste ihm zu folgen.

Ganz wohl war mir nicht dabei in diesem finsteren Wald einem unbekannten Axtträger mit Laterne hinterher zu laufen.

Während unseres Marsches kam plötzlich Wind auf, der immer stärker wurde. Was das dunkle Grollen zu bedeuten hatte, das immer öfter erklang, wurde mir erst klar, nachdem ich es einige Male gehört hatte. Es war fernes Donnergrollen, das sich schnell näherte. Ein Sturm zog auf, und zwar ein ziemlich heftiger.

Ich hatte das kaum gedacht, als es wie aus Kübeln zu schütten begann und ich von da an davon überzeugt war, dass man das Unglück herbeireden kann. Ich hatte keine Zeit meine teure und moderne Regenjacke aus dem Rucksack zu holen, geschweige denn sie anzuziehen, denn mein Führer marschierte ungerührt weiter voran, so als würde er den strömenden Regen nicht bemerken (und vielleicht stimmte das auch auch).

Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam erreichten wir endlich den Waldrand. Ich war sehr froh darüber, denn inzwischen hatte das, von den Donnern angekündigte Gewitter uns endgültig erreicht und das Dunkel der Nacht wurde immer wieder vom gleissenden Licht riesiger Blitze zerrissen auf die ohrenbetäubender Donner einem beinahe die Trommelfelle zerrissen.

Mein Führer streckte seine riesige Pranke aus, die die Axt hielt und deutete mit dem Kopf der Axt auf ein kleines Dörfchen, das einige sich Meter vom Wald entfernt, etwas geduckt, um eine kleine Kirche herum gruppierte.

«Vielen Dank.», schrie ich, um den pfeifenden und heulenden Wind und den prasselnden Regen zu übertönen, «Sie haben mir sehr geholfen und ich bin ihnen sehr dankbar.»

Das schwarze Oval, hinter dem ich sein Gesicht vermutete, starrte mich stumm an. Einen Moment verharrten wir so. Dann zerriss ein Blitz die Dunkelheit, ein Donner knallte und der Regen schien (falls das überhaupt möglich war) seine Intensität nochmals zu steigern, so dass ich mich umdrehte und schnell Richtung Dorf eilte. Auf halbem Weg drehte ich mich nochmals um und schaute zurück. In diesem Moment erhellte ein besonders heller Blitz die Nacht. Ich sah meinen Führer am Waldrand stehen, die Laterne in der Hand die Axt über der Schulter. Er sah aber nicht zu mir, sondern zu einer zweiten Gestalt, die ich in dem nur kurz auf gleissenden Blitzlicht mehr erahnte denn richtig erkannte und trotzdem bin ich überzeugt, dass die Gestalt eine Sense trug und in eine ähnliche Kutte wie mein Führer gehüllt war. Das Gleissen des Blitzes erlosch, die Dunkelheit holte sich die Nacht zurück der Donner grollte wie ein ungehaltener Gotte. Ich rieb mir meine geblendeten Augen und öffnete sie gerade rechtzeitig um den, von einem neuerlichen Blitz erhellten Waldrand ein zweites Mal zu betrachten, doch da stand niemand mehr. Keine Gestalt mit Sense, keine mit einer Axt, gar niemand und auch vom Licht der Laterne war nichts zu sehen.

Das reichte mir. Ich drehe mich auf dem Absatz um und rannte ins Dorf hinein. Nach ein paar Häusern sah ich ein hell erleuchtetes Gebäude und erkannte es als eine Gaststätte. Ich stürzte zur Tür riss sie auf und drängte mich ins Licht und die Wärme des Schankraums. Zu dieser späten Stunde war nicht mehr viel los. Einige Einheimische älteren Jahrgangs sassen am Stammtisch und plauderten über leere Biergläser hinweg über dies und das. Einige jüngere Gäste und ein zwei Personen, die aussahen als wären sie wie ich auf Wanderschaft sassen am Tresen und unterhielten sich wahlweise mit sich selbst, ihren Nachbarn oder dem stämmig gebauten Wirt, der mit kahlem Kopf und wachen Augen hinter dem Tresen stand und abgewaschene Gläser, die ihm seine rundliche Frau von einem nahen Abwaschtrog aus reichte, abtrocknete.

Ich nahm mir die Zeit, um einige tiefe Atemzüge zu tun, schloss die Tür und ging dann ein bisschen weniger zittrig an den Tresen, wo ich den Wirt mit etwas heiserer Stimme fragte: «Könnte ich hier ein Zimmer bekommen.»

«Aber klar.», antwortete der Wirt freundlich und legte Tuch und Glas weg und nahm ein Buch zur Hand. «Sie heissen?»

Während er meine Personalien aufnahm, kehrte die Aufmerksamkeit der Gäste, die sich bei meinem ungestümen Eintreten auf mich gerichtet hatte, wieder den Dingen zu, denen sie zuvor gegolten hatte. Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie der Wind heftig an einigen Bäumen riss, während der Regen wütend gegen die geschlossenen Fenster trommelten. Mir schwante langsam, dass ich ohne den Riesen, der mir den Weg aus dem Wald gezeigt hätte, die Nacht wohl nicht überlebt hätte. Hätte ich die Nacht ohne Unterstand draussen im Wald verbringen müssen hätte mich leicht ein vom Wind heruntergerissener Ast erschlagen, oder ein alter Baum, der dem Wüten des Windes nicht mehr gewachsen war, mich unter sich begraben können. Ich hätte mir auch eine Erkältung zuziehen können um dann fiebrig und zitternd im Wald zu verrecken oder ich wäre ganz einfach erfroren.

Mit halbem Ohr und einem Viertel Interesse hörte ich einen der älteren Männer am Stammtisch sagen: «Und ich sag dir, dass ich ihn doch dort gesehen habe.»

Einer seiner Tischgenossen antwortete skeptisch: «Bist du sicher. Warum sollte sich der alte Holzfäller beim Tanzbödeli herumtreiben? Bis jetzt hat er sich doch immer in der Nähe drei Föhren oder am Biberenbach herumgetrieben.»

«Und ich sage dir, dass ich ihn beim Tanzbödeli gesehen habe. Er stand da in seiner schwarzen Kutte und spaltete mit seiner Axt Holz und er war riegengross. Grösser als alle die ich kenne. Es kann nur der alte Holzfäller gewesen sein.»

Nun war ich hellhörig geworden.

«Wer ist dieser alte Holzfäller, von dem die Herren da reden?», fragte ich den Wirt leise.

Doch bevor dieser antworten konnte, antwortete mir der ältere Herr, der den alten Holzfäller beim Tanzbödeli gesehen haben will: «Das ist ein Geist, der sich im Wald herumtreibt.»

«Man erzählt sich, er sei vor vielen hundert Jahren ein Holzfäller, hier in der Gegend gewesen.», fuhr der zweite alte Herr fort, «Angeblich sei eines Tages, als er gerade Holz gespaltet habe, um es als Brennholz an die Dörfler rund um den Wald herum zu verkaufen, ein gut gekleideter junger Mann vorbeigekommen. Der offensichtlich wohlhabende Mann hatte sich offenbar verlaufen.»

«Und da habe er den Holzfäller nach dem Weg gefragt.», warf ein dritter Herr in einer grünen Jacke ein, «Den Holzfäller ergriff die Gier. Er lächelte aber liebenswürdig und sagte er wolle dem jungen Mann den Weg zeigen. Er führte ihn tiefer in den Wald hinein und dort erschlug er ihn mit seiner Axt und raubte ihn aus.»

«Aber dann war er so blöd den Gürtel des jungen Mannes, der eine auffällig verzierte Gürtelschnalle besass, verkaufen zu wollen.», fuhr der erste Herr mit der Geschichte fort, «Man erkannte den Gürtel als den des vermissten Mannes und der Holzfäller wurde verhaftet. Unter der Folter gestand er alles und beschrieb den Weg zu Leiche, die danach geborgen wurde.»

«Der Holzfäller wurde natürlich zum Tod verurteilt und gehängt.», erzählte der zweite Herr mit einer Handbewegung gegen Westen, «Die Hügel da drüben heissen nicht umsonst die Schaukelhänge.»

«Aber stellt euch nur mal vor.», setzte der Mann in der grünen Jacke in dramatischem Tonfall an, «Des Nachts kam der Tod zwar vorbei, aber wegen des Verbrechens des Holzfällers weigerte er sich ihn mitzunehmen. Als der Holzfäller begriff, dass ihm ein armseliges Schattendasein zwischen Leben und Tod drohte, ging er vor dem Gevatter auf die Knie und bat um Gnade.»

«Angeblich», fuhr der erste Herr fort, «liess sich der Tod erweichen. Er nehme ihn mit, sagte der Tod zum Holzfäller, sofern er sein Verbrechen wieder gutmachen könne. Der Holzfäller wusste jedoch nicht, wie er das tun sollte. Schliesslich besann er sich darauf, was er gut konnte: Brennholz spalten. Seither spaltete er jede Nacht einen Stapel Brennholz für die Dorfbewohner rund um den Wald, doch nie war es genug, um seinen Fehler wiedergutzumachen.»

«So spaltet er noch heute jede Nach Holz in der Hoffnung, dass der Tod eines Tages zurückkommt und ihn auf die andere Seite führt.», schloss der zweite alte Herr schwungvoll die Geschichte.

Die Gäste applaudierten. Ich klatschte auch und lächelte, aber in meinem Kopf drehten sich die Gedanken wie ein sehr schnelles Karussell im Kreis.

Als ich an diesem Abend im Bett lag, drehten sich meine Gedanken noch einige Zeit um den Riesen im Wald, die Legende vom alten Holzfäller und der Gestalt mit der Sense, von der ich glaubte, sie im Licht des Blitzes gesehen zu haben.

War es möglich, dass der alte Holzfäller seine Schuld getilgt hatte, indem er mich gerettet hatte? Hatte er so sein Verbrechen wieder gutgemacht? Oder war ich doch einem realen, wenn auch schweigsamen, Menschen begegnet, der mich aus dem Wald herausgeführt hatte und ich hatte mir das mit der zweiten Gestalt bloss eingebildet?

Bis heute weiss ich in der Angelegen nicht so recht, was ich glauben soll.

Jedoch habe ich meine Lehren aus der Geschichte gezogen. Ich versuche nicht mehr irgendwelche Tagesziele zu erzwingen, kontrolliere den Wetterbericht vor einer längeren Wanderung und ich vermeide es Wälder zu betreten, was einer, wie ich finde, nachvollziehbaren Hemmig geschuldet ist.

Kommentare

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Am 07.12.2022, pianizza
Wow, wirklich sehr unterhaltsam! Dein Schreibstil, besonders deine Beschreibungen, ziehen einen schnell in den Bann. Man vergisst ganz, dass man gerade liest da alles so lebendig wirkt!
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Am 10.11.2022, Travelgirl
Hallo Wolf16
Deine Geschichte ist unglaublich spannend und raffiniert! Dein Schreibstil zeiht einem in seinen Bann und die Handlung ist einfach toll und schön und irgendwie auch witzig. :) Hat richtig Spass gemacht!
Lg Travelgirl
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Am 07.11.2022, welcome home
Hoi Wolf16 :)

Ein grosses Kompliment für diese wunderbare Geschichte! Durch deinen tollen Schreibstil hast du mich direkt gepackt, ich konnte mir alles sehr schön vorstellen und es hat sich angefühlt, als würde ich auch mit im Wald dabei sein und den Erzählungen der Männer lauschen. Einfach super, ich freue mich auf weitere Geschichten von dir :)

Lieber Gruss
welcome home