Die Katze aus der Bibliothek

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Nebula
Veröffentlicht: 01.04.2022 17:34
Aktualisiert: 02.04.2022 17:57
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Kurzbeschrieb:
Das Maskottchen von schreibdichfrei muss doch auch eine eigene Geschichte haben, oder?

Text

Die Katze aus der Bibliothek 

 

Der Staub glitzerte in der Sonne. Es roch nach Zedernholz und nach 

staubigen, alten Büchern. Was war dies für ein fremder Ort? 

Viele alte Regale aus Holz. Und ihn ihnen drin etwas... etwas flüsterndes.

Unter einem Regal leuchtete etwas gelbliches hervor- zwei Augen! Katzenaugen.

 

Wo bin ich? Was ist das? Und... wieso renne ich nicht weg?

Dieser Ort ist doch nicht normal...? Riesige Dinger aus Holz voller komischer... Lebewesen! Sie flüstern- ich höre sie. Aber ich kann nicht weg. Eine besondere Kraft hält mich hier... Da kommt etwas. Ein Mensch! Schnell weg hie... MIAAAUUU!!!

 

Das sollte man sich mal vorstellen:

Diese Katze, schwarz wie die Nacht huschte aufeinmal unter den Regalen hervor und 

wollte, voller verzweiflung, zur, mit Staub bedeckten, Glastür der Bibliothek huschen.

Aber wie es halt so ist: Je unauffälliger man versucht zu schleichen, desto auffälliger ist man in Wirklichkeit...

So war es auch in ihrem Fall. Das Mädchen, dass gerade vor ihrem Bücherregal hergelaufen war, um sich mal die interessanten Geschichtsbücher über Frankreich anzuschauen, erschrak so über den "schwarzen Schatten", dass sie ihren bisherigen "Fang" (zwei ziemlich dicke und extrastaubige Bücher) kurzerhand fallen liess...

Direkt auf den Schwanz der armen Katze...

Diese jaulte gleich auf und veranstaltete so ein Theater, dass keine fünf Sekunden später die Bibliothekarin zur Stelle war.

 

Autsch! Mein armer Schwanz! Diese Lebewesen wollten mich wohl umbringen, was?

Zum Glück will ich sowieso hier weg... Aber will ich das eigentlich... wirklich...?

Ouh, ich werde angeschaut. Dieser Mensch starrt mich an, alsob ich ein Geist wäre!

Oh nein, da kommt ja noch einer...!

 

,,Was ist denn hier los?", erkundigte sich die argwöhnische Bibliothekarin.

,,Frau Staubkorn! Es... es tut mir sooo Leid! Diese Katze tauchte hier aufeinmal auf und ich liess vor Schreck diese Bücher auf ihren Schwanz fallen und...", stotterte das Mädel.

,,MIAAAAUU", gab die Katze auch noch ihren Beitrag zum Gespräch.

Der besorgt-argwöhnische Ausdruck auf dem Gesicht der Bibliothekarin die verschwand und machte einem amüsierten Lächeln platz.

,,Schon in Ordnung- kann passieren. Ich schau mal ob dieser Racker heil davongekommen ist." Und das war er.

 

Ich weiss gar nicht mehr, wie das alles so schnell passiert ist!

Im ersten Moment habe ich ein Stapel Bücher auf meinem Hinterteil und im zweiten Moment sitze ich auf dem Schoss von diesem Mädchen, dass wie sich herausstellte, "Mara" heisst. Mara und Frau Staubkorn trinken etwas, das mann "Tee" nennt und reden über "Napoleon" (ein Tier???). Und ich sitze einfach hier alsob ich eine Hauskatze bin!

Aber, nein! Das bin ich nicht! Ich bin auf der Strasse zwischen meinen Kumpels geboren! Da ist mein Platz! Oder eigentlich "war"...

 

Ich wurde nämlich weggeschickt... Es war schrecklich!

Zuerst war ich ganz normal, wie alle anderen.

Aber dann fing ich an, Wörter auf Menschensprache zu sagen. Ich wollte zur einzigen Katze werden, die sowohl die Katzen- als auch die Menschensprache beherrschte!

Aber meine "Kumpels" fanden das nicht so toll. Immer wenn wir am Abend Fischreste assen und einander Geschichten erzählten, da sagte ich, wie toll diese Wörter klangen:

,,Wisst ihr, der Ort, worauf wir leben nennt man "Müllplatz"!

Klingt das nicht toll?! Ouh ja, ich habe auch ein Lieblingswort gefunden: Lettera!

Das ist lata... latei... lateanisch oder so und es bedeutet Buchstabe!"

Sie begannen, mich Lettera zu nennen. Früher sah ich das als Ehre, aber jetzt weiss ich, dass es alles andere als das war...

Schliesslich musste ich irgendwann gehen... Ich war nicht mehr wild genug...

Ich erinnere mich noch an kalte, regnerische Nächte ohne Unterschlupf.

Kein Zuhause, keine Freunde...

Aber jetzt bin ich hier! In der Bibi... Bibilotek! Besser gesagt in einem Hinterraum der Bibi... dieses Ortes. Hier wohnt Frau Staubkorn.

 

,,Ich muss gehen", ein rütteln weckte mich. Ich war tatsächlich eingeschlafen! 

Mara schaute mich entschuldigend an. Ich verstand und sprang gleich von ihrem Schoss runter.

,,Tschüss, Frau Staubkorn!"

,,Sag ruhig Jasmine, ich kann meinen Nachnamen sowieso nicht leiden!", meinte Jasmine Staubkorn mit einem fröhlichen Augenzwinkern.

Mara lächelte und lief weg.

,,So, was soll ich jetzt mit dir machen?", Jasmine schaute mich fragend an.

Aufeinmal merkte ich, dass ich jetzt antworten musste. Wozu hatte ich denn die die Menschensprache gelernt?

 

Wie komisch! Aufeinmal sieht diese Katze so angespannt aus! Was wohl jetzt passieren wird...?

,,Miiaauu, miau, Mmmiiiich... Ich miheisse Lettera."

Was? War ich alte 67-jährige Dame letztendlich verrückt geworden?

,,Miiich... ich will... miau... schreiben... lernen... auf mienschensprache!"

Nein, sie redete wirklich!

,,Lettera also...", startete ich einen Versuch, etwas halbwegs intelligentes zu sagen.

,,Mijaaa, miau...?"

,,Du willst also schreiben lernen- wieso?"

,,Miau... miau..."

,,Versuch dich auf die Wörter zu konzentrieren. Wenn du sie liebst, dann kannst du sie auch sagen!", rutschen mir die Wörter aus dem Mund. Was schwatzte ich da?

Aber Lettera schaute mich mit grossen Augen an und startete noch einen Versuch:

,,Miau... Mii... Ich. will. schreiben. weil. die. Menschen. erfahren. müssen. wie. es. uns. ergeht. Miaaaauu!"

Beeindruckend. Sie schaffte es wirklich!

,,Ich werde dir helfen.", stellte ich klar und fühlte mich kurz wieder ganz jung!

Huschte da ein Lächeln über Lettera's kleines, haariges Gesicht?

 

Es folgten Wochen, Monate, Jahre und Lettera lernte, lernte und lernte.

Mara und Jasmine immer an ihrer Seite.

Schliesslich sagte Jasmine an einem Abend zu ihr:

,,Lettera. Du hast so grosse Fortschritte gemacht. Erfülle jetzt deinen Traum!"

,,Ich bin bereit, ein Buch zu schreiben?!"

Jasmine nickte.

,,MIIIIIIAAAAAAUUUUUUUU!!!!!!!!", jauchzte Lettera. Ihre Ausrufe waren noch immer gleich wie vorher.

 

Ihr Buch "Der Tag, an dem ich rausgeworfen wurde" war sehr erfolgreich!

Die Leser liebten es, die Sicht einer Katze kennen zu lernen!

Und sogar die Streunerkatzen, die früheren Kumpels, von Lettera kamen eines Tages zu ihr und entschuldigten sich für was sie früher getan hatten.

Dann verschwanden sie für immer im Müllhaufen... Lettera war ja noch immer eine Aussenseiterin. 

Aber das war ihr egal- sie liebte es und wurde zum Vorbild vieler Menschen und auch Katzen.

 

So vergingen die Jahre und Lettera wurde eine Berühmte Autorin, so wie sie es schon immer gewollt hatte. Doch auch mit ihren menschlichen Fähigkeiten wurde sie, wie die meisten Katzen, nicht viel älter als fünfzehn Jahre...

Und so kam auch bei ihr der Tag des Abschieds. Besser gesagt die Nacht.

In jener Nacht wachte sie auf und spürte, dass es soweit war.

Sie leckte ihr schwarzes, jetzt schon gräulich gewordenes, Fell und lief aus dem Hinterzimmer hinaus in die Bibliothek- direkt zu dem Versteck, wo sie damals von Mara gefunden war. 

,,Hier hat alles angefangen, hier soll alles auch enden", sagte Lettera zu sich selbst 

und sie nahm Abschied von der Welt...

 

Am nächsten Morgen wurde sie durch Jasmine gefunden. Sie und Mara weinten ihr zusammen noch lange nach... Irgendwann bekam Mara die Idee, zu ehren von dieser ehrgeizigen und mutigen Katze, eine Schreibwebsite zu gründen, wo jeder schreiben konnte, was aus ihm rauskommen musste. So wie Lettera es auch getan hatte.

Zusammen mit Jasmine gründete sie die Website und nannte sie "schreibdichfrei".

Und ihr Maskottchen war natürlich... Lettera.

 

 

 

 

Kommentare

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Am 03.04.2022, Nebula
Hallo Fireheart,

Vielen Dank für die Rückmeldung!
Freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat :D

Liebe Grüsse,
Nebula
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Am 03.04.2022, Fireheart
Die Idee finde ich richtig cool. Warum ist eigentlich bereits früher jemand auf die Idee gekommen dem Maskottchen eine Geschichte zu geben? Würde so etwas wirklich passieren, fände ich es irgendwie merkwürdig, aber auch richtig spannend.
Schreibfehler habe ich keine gefunden. Das hast du gut gemacht.