Ever a Moment, Die Suche 9.

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Fireheart
Veröffentlicht: 15.03.2022 19:20
Aktualisiert: 15.03.2022 19:20
Kategorie: Fantasy
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Text

 

9.

D

as ist eine beschissene Idee, knurrte Clare in Sams Kopf. Es war Abend geworden. Sie standen nebeneinander. Clare als schwarzes Pferd. Die Bündel hatte Sam ihr auf den Rücken geworfen. In seinem Seesack hatte er drei Seile gefunden. Eines hielt die Bündel auf Clares Rücken. Das Zweite hatte er zu einem Halfter geknöpft. Das letzte, kürzeste Seil diente als Strick. Sam hatte alle Waffen abgesehen von ein paar Jagdmessern abgelegt. Die Idee war, dass Sam als Säumer auf der Durchreise gelten sollte. In dem Sack von Clare sollten Schmuggelware sein, um das dritte Bündel zu erklären. Clare wäre sein Säumerpferd. Und wie erwartet, war Clare mäßig begeistert. Wir können hier doch nicht einfach reinspazieren und denken, dass man uns mit offenen Armen empfängt! Sam blickte sie genervt an. Er hatte genug von dieser Diskussion. „Wenn nicht“, sagte er laut, „musst du halt beweisen wie schnell dich deine Beine tragen.“ Und damit Basta, fügte Sam im Stillen hinzu. Clare hatte die Ohren angelegt, schlug mit einem Hinterbein aus und schnappte nach Sam. Der wich gerade noch rechtzeitig aus und schnalzte tadelnd mit der Zunge. Als er losging folgte Clare ihm.

Sie gingen kaum 5 Minuten, als Clare Schritte hörte. Sie blieb mit erhobenem Kopf stehen und schaute sich um. Sam bemerkte es und schickte seine Magie aus. Kalter Frost sang ihm ins Ohr. Clare gab er das Zeichen weiterzugehen. „Zwei Menschen am Holzsammeln“, informierte er sie. Clare senkte wieder den Kopf und lief wie ein vollkommen entspanntes Pferd neben ihm her. Bald darauf hörte Sam sie. Ihre lauten Stimmen und ihr sorgloses Herumstapfen verrieten sie. Es waren Menschen, die ihn und Clare nicht hörten. Clare schlängelte sich hinter Sam zwischen den Bäumen hindurch. Er steuerte auf eine Lichtung zu, wie sie bemerkte, als Sonnenlicht vor ihr durch die Bäume brach. Sie traten durch die Bäume auf die kleine Wiese. Ein Bach schlängelte sich durch die Lichtung. Auf einen Gedanken hin, von Sam, senkte Clare den Kopf und begann zu grasen. Sam machte sich an den Bündeln zu schaffen und nahm die beiden Feldflaschen heraus. Er ging zum Bach, Clare am langem Seil hinter sich. Sam kniete sich nieder und leerte  die Feldflaschen aus. Im dunkler werdende Licht fühlte er sie frisch. Er spürte Clare, als sie neben ihn trat und ihren Kopf senkte, um zu trinken. Sam war nicht überrascht, als er sich aufrichtete und sich einen Moment später den Männern vom Dorf gegenübersah. Wie Clare hatte er sie schon lange vorher gespürt. Die Menschen hingegen blinzelten sie überrascht an. Einer tastete nach dem Schwert an seiner Hüfte. Clare legte den Kopf schräg und Sam trat kaum merklich näher zu ihr. Seine Hände hingen scheinbar entspannt an seinen Seiten. In der Nähe seiner versteckten Dolche. „Guten Abend“, meinte Sam freundlich. „Wer seid ihr?“, fragte einer der Männer knurrend. Sam behielt das Lächeln auf dem Gesicht. „Ich bin Säumer. Silvan Romay mein Name“, lügte er. Clare staunte. Ihre Lektionen schienen auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Es gab nur wenige, die einem in die Augen schauen konnten und man trotzdem nicht merkte, dass er log wie gedruckt. Die Männer musterten ihn skeptisch. „Ihr kommt mit“, grummelte der andere Mann. Sam nickte, packte die Flaschen zurück in ein Bündel und ging mit Clare am Seil auf die andere Seite des Baches. Clare zögerte ins Wasser zu gehen. Sie sah nicht wie tief es war. Ein Nachteil der Gestalt.  Sam trat von einem Stein hinunter ins Wasser. Es reichte ihm bis zu den Knie. Sanft zupfte er am Seil. Vorsichtig setzte Clare einen Huf ins Wasser. Dann den zweiten. Neben Sam überquerte sie den Bach. Clare trat zuerst ans Ufer und stellte sich quer hin. Im Stillen ihr dankend zog sich Sam an ihr hoch und setzte die Füße auf festen Boden. Hinter ihm und Clare kam der erste Mann, der gesprochen hatte. Ein dritter, jüngerer Mensch machte den Abschluss. Vor ihnen ging der zweite Mann. Das gefällt mir nicht, meinte Clare in Sams Kopf. Dir gefällt nichts und niemand!, schoss der stumm zurück. Clare schüttelte resigniert den Kopf. Während sie dem Mann folgten, hob Sam die Hand an Clares Mähnenkamm und begann sie zu kraulen. Ein tiefes Brummen rumpelte in ihrer Brust und die Stute verzog genießerisch die Lippen. Sam kraulte sie die ganze Zeit weiter, bis sie das Dorf erreichten. Sobald das Dorf in Sicht kam, war Clares Anspannung jedoch wieder da. Es brachte auch nichts mehr, dass Sam sie nun an ihrer Lieblingsstelle am Widerrist kraulte. Das ganze Dorf schien sich zu versammeln, als sie ankamen. Der Mann, der vor ihnen gegangen war, ergriff das Wort. Er schien ranghoch zu sein. „Dieser Säumer haben wir beim Holz sammeln entdeckt. Er behauptet Silvan Romay zu heißen.“ Ein älterer Mann trat vor. Seinem goldbesetzten Kragen nach, schätzte Sam, dass dies der Dorfälteste war. „Unsere Jäger haben gestern reichlich Fleisch mitgebracht. Kommt doch und esst mit uns. Makhail, du sorgst dich um Silvans Stute.“ Mit diesen Worten ging der Mann zu Sam und nahm seinen Arm, um ihn wegzuführen. „Ich bin der Dorfälteste Sambia“, stellte er sich noch vor. Sam blieb nichts anderes übrig, als das Seil dem ersten Mann, Makhail, zu geben. Dann zog Sambia ihn mit sich fort. Makhail blickte ihnen finster nach. Grob führte er Clare zu der Koppel hinüber. Clare legte die Ohren an. Es gefiel ihr gar nicht. Dieser Makhail führte bestimmt etwas im Schilde. Der Mann band sie am Zaun der Koppel an. Die anderen Pferde kamen, um sich den Neuankömmling anzusehen. Makhail löste das Seil, die die Bündel auf ihrem Rücken hielten. Die Säcke band er mit dem Seil an einem Pfosten an. Dann wandte er sich um, um eine Bürste zu holen. In der Zwischenzeit beobachtete Clare alles genau. Die Pferde schienen friedlich. Dieses ganze Dorf schien, als könnte es kein Wässerchen trüben. Doch Clare glaubte diesem Schein nicht. Besonders nach Makhails Laune. Er kam mit einer Bürste mit langen Borsten zurück und strich damit schnell über ihr Fell. Als er auch ihr Schweif damit bearbeiten wollte, legte Clare die Ohren an und schlug aus. Makhail fluchte und ließ es sein. Als er fertig war mit seinem ruckartigem unangenehmen bürsten, legte er die Bürste weg und schaute sich unruhig um. Clare legte wieder die Ohren an und tänzelte. Sie wollte zur Seite gehen, doch Makhail hatte sie zu fest angebunden. Er bückte sich und machte sich an einem der Bündel zu schaffen. Clare wollte schon ein schrilles Wiehern ausstoßen, als lautes Kläffen ertönte. Makhail schoss hoch. Hunde kamen um eine Hausecke geschossen und sprangen um Clare herum. Einer schnappte nach ihrem Hinterbein, was Clare mit einem bösen Tritt vergalt. Der Hund jaulte auf. „Ruhig, Kindchen! Platz!“, gellte eine weibliche Stimme über den Platz. Sofort war es ruhig und die Hunde legten sich brav hin. Manche wedelten mit den Schwänzen. Eine junge Frau in einem fessellangem Kleid meinte zu Makhail: „Komm! Wir wollen nicht ohne dich feiern!“ Makhail brummte etwas. Die Frau trat zu Clare, band sie los und führte sie auf die Koppel. Clare folgte brav. „Du bist ja eine Hübsche. Genau wie dein Herr.“ Der hinzugefügte Satz machte Clare misstrauisch.. Was sollte das denn Bitte heißen? Die Frau nahm ihr das Halfter ab und tätschelte ihr den Hals. Dann ging sie wieder hinaus und hängte das Halfter an einen Zaunpfahl. Makhail hatte die Bürste inzwischen wieder versorgt und bot nun der Frau galant den Arm an. Sie nahm ihn an. „Komm meine Hübsche. Genießen wir das Fest, Marie.“ Irgendwie hörten sich die Worte an die Frau, Marie, wie eine Drohung an. Marie lächelte nur wissend.

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