Dreambrothers (Kapitel 7)

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Nederlandfreak
Veröffentlicht: 30.12.2017 14:12
Zuletzt aktualisiert: 07.01.2018 22:52
Kategorie: Fantasy
Tags: Traum, Träume, Wohnung, Verfolgung
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Genervt und sich fragend, wer denn nun schon wieder Davids Ruhe störte, stand er auf, ging den langen Korridor entlang und blickte durchs Guckloch. Dies tat er nicht wegen der Paranoia, die er seit letzter Nacht hatte, sondern aus Prinzip. Jedes Mal, wenn jemand an ihrer Tür klingelte, prüfte David erstmal, wer da eigentlich davorstand. Es kam nämlich auch schon vor, dass Leute von den Zeugen Jehovas oder einer anderen Sekte an ihrer Tür klingelten, um Werbung zu machen. Lauryn war da anders. Sie war offener als David und öffnete für jeden die Tür, ohne vorher noch durch das Guckloch zu schauen.

Sein Arbeitskollege Martin stand vor der Tür. Mit einer Handbewegung der linken Hand strich er seinen Seitenscheitel zurecht, gleichzeitig fuhr er sich sanft mit der rechten Hand über seinen Oberlippenbart und versuchte ungeduldig einen Blick durch die Öffnung des Guckloches auf der anderen Seite zu erhaschen. David war immer wieder fasziniert davon, wie ungeduldig Martin manchmal sein konnte. Energisch klopfte er mit der Faust an die Holztüre und rief mit seiner tiefen Stimme: «David verdammt, ich weiss, dass du zu Hause bist, du hast dich vorhin abgemeldet! Mach die Tür auf, ich habe es eilig!» David beschloss seinem Arbeitskollegen nicht länger auf die Palme zu gehen, öffnete die Tür und sagte künstlich hustend: «Ja, was ist denn? Hast du wieder so einen merkwürdigen Check dabei? Wie bist du überhaupt zur Eingangstür reingekommen?» «Nein, deine Brieftasche, die du gestern liegengelassen hast. Oh man, du kannst echt vergesslich sein, du hast sie wohl ausversehen offengelassen!», antwortete Martin und streckte ihm seine Brieftasche entgegen. David war so froh, dass er sie ihm mitgebracht hatte, nervte sich aber gleichzeitig wegen seiner Vergesslichkeit. In der letzten Nacht hatte David das Glück, dass er noch genügend Kleingeld dabeihatte, um Elias zu bezahlen.

Martin trug einen schwarzen Anzug, einen ähnlichen, wie David hatte. Jeder in der Firma besass einen Anzug. Zu Martin passte dieser Kleidungsstil, nicht aber zu ihm selbst, fand David. Erleichtert, dass er seine Brieftasche wiederhatte, nahm er sie entgegen und fragte Martin, ob er noch auf einen Tee oder ähnlichem reinkommen wollte. «Nein danke, ich muss nachher wieder weiterarbeiten, du weisst ja, wie die Stapel auf meinem Schreibtisch aussehen.» Oh ja, David wusste, wie seine Stapel aussahen. Es war schon fast ein Wunder, dass Martins Schreibtisch nicht unter der Last der verschiedenen Akten und Dokumenten zusammenbrach.

Verwundert beäugte Martin seinen Arbeitskollegen und fragte ein wenig verwirrt: «Was hast du denn überhaupt? Siehst nicht unbedingt krank aus, in meinen Augen jedenfalls.» Schnell versuchte David eine gescheite Antwort zu finden. «Ähm, naja, ich bin ein wenig…ähm…erkältet, ich dachte, ich bleibe lieber zu Hause», stammelte David. «Komm schon, du musst es mir nicht verheimlichen, wenn du keine Lust auf die Arbeit hast und blaumachst. Ich mache das alle zwei Wochen, du weisst ja, wie viel ich im Büro fehle. Ausserdem kann ich es voll verstehen, bei diesen miesen Aufträgen, die uns in letzter Zeit entgegen geflattert kamen. Ich meine, so wenig Provision, wie wir einstreichen dürfen, da habe ich mich schon gefragt, wie du dir eine solche Wohnung leisten kannst», sagte Martin und fuchtelte mit seiner rechten Hand, um auf die Wohnung zu deuten.

Eigentlich gefiel es ja David bei der Firma. Hingegen hatte Martin Recht bei der Sache mit der Provision. In letzter Zeit fielen die Zahlen nach den monatlichen Rechnungen von David nicht mehr so hoch aus. Er wollte seinem Kollegen gerade antworten, als ihm im Hintergrund etwas Merkwürdiges auffiel, als er zum Fenster hinaussah, welches sich direkt hinter Martin befand. Eine schwarzlackierte Limousine parkierte direkt vor dem Wohnhaus. Klar, David lebte nicht gerade im einfachsten Viertel der Stadt. Schliesslich wohnten hier zeitweise auch Firmenbosse aus der ganzen Welt, aber dass sich gerade eine Limousine in dieser Strasse blicken liess, war selten der Fall. «David, ist alles in Ordnung?», fragte Martin besorgt, während David mit angespanntem Gesicht aus dem Fenster sah. Konzentriert beobachtete er, was draussen vor sich ging.

Nach wenigen Sekunden stiegen vier Männer in Anzügen und roten Krawatten aus der Limousine. Von der Statur her, sahen alle etwa gleich aus, nur einer von ihnen war ein wenig dicker. David konnte es kaum glauben. Die waren bestimmt auf der Suche nach ihm. Er reagierte schnell. «Ach, verdammt nochmal!», fluchte David laut und zog Martin gewaltsam in die Wohnung. Gestresst suchte er seine Schlüssel und verschloss die Tür. «Was soll das denn wieder?», fragte Martin irritiert und genervt zugleich, da er wegen Davids Hektik und Gewaltsamkeit beinahe hinfiel. Auf der Stelle drücke David seinen Kollegen an die Wand und hielt ihm mit seiner Hand für einen kurzen Moment den Mund zu. «Psst, sei still und hör mir genau zu! Gestern wurde ich von einem seltsamen Typen im Anzug verfolgt. So wie es aussah, hatte der es auf mich abgesehen. Nach unserer Verfolgungsjagd durch Newscout-» «Newscout? Der schäbigste Teil der Stadt? Was machst du denn dort?», wurde David von Martin unterbrochen, der ihm jetzt aber wieder den Mund zuhielt. «Ja, Newscout, hör mir jetzt zu verdammt! Also, ich floh vor diesem Mann und auf einmal tauchte ein Taxi auf und überfuhr ihn. Der Fahrer hiess Elias und rettete mit Absicht mein Leben. Er sagte ausserdem, ich solle auf mich aufpassen, besonders aber auf meine Träume», beendete David seine Kurzfassung und entfernte seine Hand von Martins Mund, welcher mit einem starken Zug aufatmete.

«Warum um alles in der Welt sollte dich ein Mann im Anzug verfolgen? Du bist ein stinknormaler Versicherungsverkäufer», fragte Martin ausser Atem. David begab sich zum Guckloch und antwortete: «Wenn ich das wüsste.» Nun konnte er bereits Schritte von vier Fusspaaren hören. Sollten sie vor der Tür stehen bleiben, wären David und Martin eingeschlossen gewesen. Die Wohnung war zu hoch, um hinunter zu springen. «Wie gut bist du im Umgang mit Pfannen?», fragte David. Verunsichert blickte Martin ihn an und fragte: «Für was brauchst du denn jetzt Pfannen?» «Na zur Selbstverteidigung», erklärte ihm David kurz und knapp. «Willst du nicht lieber ein Messer nehmen?» «Nein, wir sollten sie nicht gleich umbringen, wir wissen ja nicht ganz genau, weshalb diese Typen hier sind», gab David als Antwort zurück. «Du bist einfach zu gut für diese Welt», sagte Martin seufzend, begab sich in die Küche und holte zwei Bratpfannen aus Teflon. Die erzielten ganz bestimmt ihre Wirkung.

Martin übergab David eine der schwarzen Teflon Bratpfannen. Dieser wiederum blickte ihn an und fragte: «Hast du mir das wirklich geglaubt?» «Sagen wir, den Teil mit der Verfolgung. Ich befürchte, dass der Rest noch nicht ganz der Wahrheit entspricht, aber das spielt im Moment gerade keine Rolle, nicht wahr?», antwortete Martin. Bevor David ihm versichern konnte, dass der Rest zu hundert Prozent ebenfalls stimmte, hämmerte es an der Tür. «Aufmachen, hier ist die Polizei!», rief eine rauchige Stimme von ausserhalb. Erneut guckte David durch das Guckloch. Da war keine Polizei. Nur die vier Typen in ihren Anzügen, roten Krawatten und Hüten. «Wir wissen, dass Sie hier drin sind, Mister!», sagte die gleiche, rauchige Stimme. David weigerte sich, die Tür zu öffnen. Vorerst wollte er wissen, weshalb diese Typen hinter ihm her waren. Er konnte sie aber nicht fragen, denn sonst wüssten sie schliesslich, dass David zu Hause war.

Scharf überlegend, was er tun sollte, schaute er sich in der Wohnung um. Glücklicherweise, hatte er vom Eingang aus den perfekten Überblick über das Wohnzimmer und die Küche. Er suchte nach einem geeigneten Versteck für ihn und Martin. Da Martin dank seines täglichen Trainings, nicht unbedingt so viel Platz brauchte, wählte er den langen Schrank unterhalb des Spülbeckens in der Küche. Mit einem Augenzwinkern verwies David auf das geeignete Versteck, um ja keinen Lärm mehr zu verursachen. Martin schien sofort zu verstehen und signalisierte mit einem Kopfschütteln, dass er sich weigerte unter das Spülbecken zu liegen.

Eine andere Wahl hatten die beiden aber nicht. So entfernte sich David langsam und vorsichtig von der Tür, packte Martin am Ärmel und zog ihn zum Spülbecken. «Nein, ich gehe da nicht rein, nicht in meinem Anzug», reklamierte Martin flüsternd. «Jetzt schieb dir deine Eitelkeit sonst wohin und versteck dich, na los!», antwortete David wütend. Nach einem gehässigen Blick, den er von Martin erntete, tat er wie geheissen und quetschte sich unter das Spülbecken. David folgte ihm gleich darauf. Zum Glück hatte Lauryn am selben Morgen noch den Müll hinausgebracht. Sonst hätten die beiden unmöglich Platz gehabt und der Geruch wäre wohl auch nicht gerade angenehm gewesen. Zusammengequetscht, versuchte David die Schranktür zu schliessen, was dann nach einigen Versuchen auch klappte. Naja, fast. Martin jaulte auf, als sich sein Finger im Spalt einklemmte, als David die Tür schloss. David öffnete die Tür erneut und musste sich ein «Ich habe es dir ja gesagt!» von Martin hören lassen.

«Was machen wir jetzt?», fragte Martin flüsternd. «Wir warten.» «Auf was?» Das war eine gute Frage, doch die Antwort darauf konnte David einfach so auch nicht wiedergeben, so zuckte er einfach mit den Achseln. Plötzlich krachte es und die Wohnungstür fiel aus den Angeln. Die vier Männer traten ein und schwirrten verstreut in die Wohnung aus. Einer der Gruppe lief mit gezückter Pistole umher. «Ach du…», begann Martin. «Psst, halt die Klappe!», unterbrach ihn David. Vorsichtig öffnete er einen kleinen Spalt in der Schranktür, um zu sehen, was die Eindringlinge taten.

«Wo ist der Kerl?», fragte der Dickere genervt und ungeduldig. «Keine Ahnung, der müsste hier irgendwo sein», antwortete der mit der Pistole, der nun direkt in die Küche lief. David war zu langsam und schaffte es nicht mehr, die Schranktür ganz zu schliessen. Nach kurzem Umhersehen in der Küche, starrte der Mann unter das Spülbecken, worauf er direkt in Davids Augen blickte.

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