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Lausche dem Regen

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Nala
Veröffentlicht: 31.05.2012 16:59
Zuletzt aktualisiert: 06.09.2012 16:35
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Kurzbeschrieb:
Gedanken über den Regen

Text

Lausche dem Regen

 

Ich sitze in meinem Zimmer und lausche dem Regen. Lausche ihm, verstehe ihn, fühle ihn, höre ihn, bewundere ihn. Er fällt und fällt, unbeeinflusst, unberechenbar, Stunde um Stunde, Tag für Tag. Menschen verfluchen ihn, Menschen lieben ihn, aber er tropft und tropft, immer im gleichen Rhythmus.

Ich lausche dem Regen. Er fällt und fällt, unaufhörlich. Kleinste Wassertröpfchen fallen auf die Erde und vermischen sich zu riesigen Fluten, Schlammlawinen, Erdrutsche. Dünne Bächlein werden zu reissenden Strömen und alle zittern. Gewaltige Katastrophen, traurige Schlagzeilen; einen Riesenbummel löst er aus, dieser Regen! Alle hassen ihn, alle verfluchen ihn, alle verzweifeln und niemand versteht ihn; aber er geht seinen Weg. Nur er sieht seinen Sinn.

Ich lausche dem Regen. Ganz leise tröpfelt er aufs Dach. Aus sandigen Wüsten werden blühende Oasen, trockene Samenkörner werden zu schönsten Blumen! Tausende Tiere tränkt er, tausende Pflanzen nährt er; ein richtiger Segen ist er, dieser Regen! Alle lieben ihn, alle beschwören ihn, alle danken ihm, aber er fällt und fällt und niemand versteht ihn. Er kommt und geht wann er will, ganz nach seinem Sinn.

Ich lausche dem Regen und wollte, ich wäre Regen. Könnte Kleines zu Grossem machen, Unscheinbares zu Scheinbarem, Trockenes zu Saftigem und Durstende zu Gesättigten. Ich wollte ich wäre Regen und könnte gehen meinen Weg. Unbeeinflusst, ungezähmt, unberechnet und unabhängig, Tropfen für Tropfen meinen Träumen entgegen.

Kommentare

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Am 22.06.2012, Bellmauselefant
Was soll ich schreiben? Toll, gut gemacht?

Nein, ich sage dir, dein Text hat mir gefallen. Es stimmt. Es stimmt genau, was du geschrieben hast!
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Am 21.06.2012, Tinto
Hübscher Text, an den ich dachte, als es gestern so regnete, ja beinahe stürmte. Du schilderst diese Gegensätze der Natur sehr schön. Bei mir hat sich das dann gestern so geäussert: Kaum war das Gewitter vorbei, kam die Sonne wieder hervor. Auf dem Fenster meiner Wohnung waren die Tropfen, die der Regen hinterlassen hatte, noch nicht getrocknet. Das Licht brach sich darin und zauberte ein fröhlich gepunktetes Muster auf den Parkettboden. Auch das kann Regen sein: ein Element, das einen poetischen Augenblick hervorzaubert!
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Am 04.06.2012, white_squaw
Ein wunderschöner Text über Segen und Fluch des Regens! Hat mich einfach berührt.